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Bilanz und Ausblick

Ludwigshafener Innenstadt hat Potential

Die Zwischenbilanz von Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung), ein Jahr nach Eröffnung der Rhein-Galerie ist grundsätzlich positiv. Seiner Einschätzung nach, sei mit der Rhein-Galerie ein guter Ansatz für die Entwicklung der Innenstadt umgesetzt worden. Jedoch müsse nun in einem nächsten Schritt die Kundenbindung in Ludwigshafen gelingen. Den Rahmen könne ein Masterplan Innenstadt bilden, so der Experte. Dr. Holl  begleitet den Stadtumbauprozess seit vielen Jahren.

Realität

Das Interesse am letzten Infoabend der Informationsreihe Stadtumbau 2011 war groß. Unter dem Thema "Bilanz und Ausblick" beleuchtete Dr. Holl bei seinem Vortrag die Chancen und Potentiale der Innenstadt sowie neue Trends im Einzelhandel. Dr. Holl zeigte zunächst den Zusammenhang zwischen allgemeinen bundesweiten Trends und der Realität in Ludwigshafen. Wie interessant Innenstadtlagen für Shopping-Center sind, zeige der sprunghafte Anstieg der Shopping-Center-Entwicklung in Deutschland. Zwischen den Jahren 2000 und 2009 sind gemäß GMA Statistik  rund 135 neue Center entstanden. Auch würden Untersuchungen zeigen, dass Einkaufszentren Besucher in die Innenstadt ziehen. Dieser Trend bestätigt sich auch in Ludwigshafen, wie Zählungen der Stadt ergeben. Einkaufszentren sind jedoch stets ein Wettbewerb für bestehende Anbieter in den Fußgängerzonen und sie legen die Messlatte für die lokalen Akteure hoch, weiß der Experte. Seine Analyse für Ludwigshafen zeige jedoch, dass der Einzelhandel in der Ludwigshafener Innenstadt bereits vor der Eröffnung der Rhein-Galerie mit Problemen zu kämpfen hatte. Der Grund war und besteht noch immer, da es beispielsweise zu wenige Magnetbetriebe, jedoch zu viele Billiganbieter und Schnellgastronomie gäbe und damit "Trading-down Tendenz" vorhanden sind.

Der Experte stelle daher die rhetorische Frage: "Was wäre ohne Rhein-Galerie passiert?" Seiner Meinung nach wäre die Situation wesentlich problematischer.

Zwischenbilanz

Die Zwischenbilanz von Holl fällt überwiegend positiv aus. So wären seit Eröffnung der Rhein-Galerie nicht nur insgesamt mehr Passanten in der Stadt, sondern vor allem sei Ludwigshafen für junge Kunden interessanter geworden. Die Rhein-Galerie bestimme den Wettbewerb, gleichzeitig sei das Rathauscenter weiterhin erfolgreich. Auch erweise sich die Rhein-Galerie als eine private Schlüsselinvestition für die Innenstadt, die weiteres erfolgreiches Investment generieren könne.  

Dennoch gäbe es weiterhin viel zu tun, weitere Investitionen seien erforderlich. Holl betonte, dass die Stadt mit der Rhein-Galerie erst am Anfang und nicht am Ende eines Prozesses stehe. Er sprach die Strukturschwäche der Fußgängerzone in der Bismarck und in der Ludwigstraße an, sowie die inzwischen nahezu entmietete Walzmühle. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass so manche Einkaufslage noch im Dornröschenschlaf liege: "Die Ludwigstraße ist ein kleiner Star, der noch entdeckt werden müsse." Mit Blick auf die 2011 erfolgte Bürgerumfrage der Stadt berichtet Holl, dass die Zufriedenheit mit dem Einzelhandel in der Innenstadt von 38 Prozent (2003) auf 44 Prozent gestiegen ist. Ein wichtiges Thema bleibe dennoch die „Umlenkung der Passantenströme“ von der Rhein-Galerie in die City und umgekehrt. Er sprach sich für einen Masterplan Innenstadt aus, der als ganzheitliche Planung angelegt sein und zugleich notwendige Umsetzungsschritte festlegen sollte. Einzelhandelsentwicklung, Stadtgestaltung, Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und Parken sowie Kommunikation und Management müssten bei solch einem Masterplan ineinander greifen. "Standorte mit Aufenthaltsqualität erreichen mehr Umsatz. Auch profitieren Standorte davon, wenn sich Handel und Abendgastronomie verzahnen", erklärte der Experte. 

Fünf Jahre Stadtumbauprozess – eine Bilanz

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse nutzte den Abend, um das neue Stadtlogo und die Imagekampagne der Stadt vorzustellen. Eine Bilanz auf das Stadtumbaujahr 2011 sowie einen Ausblick auf das kommende Stadtumbaujahr hat Bau- und Umweltdezernent Klaus Dillinger, zugleich Geschäftsführer der W.E.G., gegeben. Seit 2006 wurden insgesamt 79 Modernisierungsprojekte gefördert und betreut, dabei sind in der Innenstadt insgesamt über 430 Millionen Euro investiert worden, davon über 360 Millionen Euro rein privat. Zudem sind 23 Besuchergruppen von Universitäten, Kommunen und Planungsbüros aus der Kommunalpolitik gezielt zum Thema Stadtumbau in Ludwigshafen informiert worden. "Das zeigt, dass unser Stadtumbau regional wie  überregional auf Interesse und Beachtung stößt", erklärt Dillinger. Im Jahr 2011 fanden 26 Erstberatungen von privaten Investoren sowie 31 Beratungen von Einzelhändlern, Gastronomen und Gründern statt. Des Weiteren wurden elf Anträge im "City-Programm" beschieden und sechs Vorhaben im Modernisierungsprogramm genehmigt. Größtes privates Investitionsprojekt in der Innenstadt ist die Revitalisierung ehemaliges Umspannwerk Lutherstraße. Die S&O Projekt GmbH aus Tübingen sowie die lokale Investorengruppe Karakaplan investiert dort rund 14 Millionen Euro in energetische Sanierung und Umbau zum Wohngebäude mit 70 hochwertigen Wohneinheiten. "Im Rahmen der Erneuerung der Hochstraße Nord haben wir mit 'City West' ein integriertes Stadtentwicklungsprojekt angedacht, dass rund 15 Hektar innerstädtische Entwicklungsfläche bietet", gibt Dillinger eine neue Perspektive für die Innenstadtentwicklung. Wie es jedoch mit dem Projektansatz "City West – Raum für neue Stadtideen" weiter gehe, werde sich erst im Rahmen einer breit angelegten Bürgerbeteiligung sowie weiteren Planungen zeigen.

Ausblick auf das Stadtumbaujahr 2012

Für das Stadtumbaujahr 2012 berichtete Dillinger seien ca. 25 Millionen Euro an Investitionen in Vorbereitung. Modernisierungs- und City-Programm werden fortgeführt, die Entwicklung von Schlüsselimmobilien wie z.B. Kaufhof weiterverfolgt. Auf dem Plan stehe auch die Sanierung der Stadtbibliothek, sowie die städtebauliche Integration des Werkgeländes SIHI Halberg an der Rheinallee. Zudem werde in der Bismarckstraße 50 ein Wohn- und Geschäftshaus neu entstehen. Auch werde 2012 die Werfthalle vom neuen Eigentümer, einem Ludwigshafener IT-Unternehmen, saniert und auch am "Platz der Deutschen Einheit" soll es laut ECE weiter gehen. Ein Schwerpunktthema sei laut Dillinger die Konkretisierung des Projekts City West.

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