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Stadtstimmung Ludwigshafen
Bürgerumfrage 2011 in Ludwigshafen zeigt: Idealer Zeitpunkt für Imagewandel
Eigentlich ist die Stadtstimmung in Ludwigshafen gut. Das zeigt eine erste Auswertung der Bürgerumfrage 2011. Die Zufriedenheit der Menschen mit Ihrer persönlichen Situation ist hoch und ebenfalls im Bereich Wohnen fällt die Beurteilung gut aus. Auch die Einkaufsmöglichkeiten werden als gut bis zufriedenstellend angesehen und Mannheim liegt bei keiner Auswertung im Einkaufsverhalten nach Sortimenten auf dem vordersten Platz. Dennoch: Mit seiner Heimatstadt fühlt sich der Ludwigshafener nicht so recht verbunden. Am 16. Mai 2011 hat Volker Adam (Bereich Stadtentwicklung) der Öffentlichkeit erstmals Ergebnisse aus der Bürgerumfrage 2011 präsentiert und lieferte damit die Datengrundlage für ein angeregtes Podiumsgespräch mit Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse über das Image von Ludwigshafen.
Moderiert von Jürgen Vogel, IHK Pfalz, diskutierten Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, Markt- und Medienexperte Kai Uwe Weidlich vom Medien-Institut Ludwigshafen sowie Georg Amling, stellvertretender Vorsitzender des Marketingvereins Ludwigshafen.
Stadt hat sich positiv verändert
Ein Vergleich zur ersten Bürgerumfrage im Jahr 2003 zeigt: Die Stadt hat sich nachweisbar zum Positiven verändert. Die Bürgerinnen und Bürger honorieren dabei vor allem, dass Ludwigshafen durch den Bau der Rhein-Galerie und der Erschließung Rheinufer-Süd an den Fluss gerückt ist. "Stadt am Rhein" - genau diesen Aspekt möchten die Bürger verstärkt nach außen präsentiert sehen. Aber auch viele andere Strategien, die Stadt attraktiver zu machen, würden greifen, so die Oberbürgermeisterin. Ludwigshafen nehmen 78 Prozent der Befragten als innovativen, internationalen Industriestandort wahr. Die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer persönlichen Situation sei hoch, gute Noten bekäme die Stadt auch hinsichtlich der Wohnmöglichkeiten. Weniger gut fallen die Antworten bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten aus: Zwar bekomme die Stadt im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2003 eine um sieben Prozent bessere Beurteilung, dennoch falle die Attraktivität der Innenstadt in der Wahrnehmung der Ludwigshafener ab. Überraschend hingegen war das Ergebnis auf die Frage, wo der Ludwigshafener bestimmte Artikel einkauft: In keinem Fall wurde Mannheim an erster Stelle genannt, vielmehr liegt die Innenstadt Ludwigshafens an erster Stelle. Eine Ausnahme bildet der Sektor Elektroartikel und Unterhaltungselektronik. Die Frage, wo genau in der Innenstadt eingekauft werde, brachte ebenfalls ein unerwartetes Ergebnis: 62 Prozent nannten das Rathaus-Center, 22 Prozent die Innenstadt und lediglich 16 Prozent die Rhein-Galerie. Damit bestätigt die Umfrage eine Auswertung der ECE, in der ein Kundenstrom von außerhalb in Höhe von 70 Prozent benennt.
Stadtimage ist verbesserungsfähig
Dennoch verdeutlicht die aktuelle Bürgerumfrage, wie problematisch es um die Eigenwahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger mit Ihrer Stadt steht – an erster Stelle fühlt man sich der Pfalz verbunden, gefolgt vom Stadtteil, in dem man lebt, dann der Metropolregion und erst an vierter Stelle der Stadt Ludwigshafen. "Wir haben ein Imageproblem", so das Resümee von Lohse, die das Umfrageergebnis als eindeutigen Arbeitsauftrag versteht: "Wir müssen daher mehr die positiven Veränderungen in den Mittelpunkt der Wahrnehmung stellen und authentisch bewerben."
Das Gesamtstimmungsbild oder "Image" von Ludwigshafen leidet nach Ansicht des Medienexperten Kai Uwe Weidlich vor allem an der schlechten Innenansicht. Die Bürger sind nicht stolz auf ihre Stadt, darin sind sich auch die weiteren Podiumsteilnehmer einig. Dabei wären die Voraussetzungen in der Stadt gut, ist sich Lohse sicher. Ludwigshafen liegt in einer Region, die wirtschaftlich stark ist, die Kultureinrichtungen und -veranstaltungen der Stadt genießen durchaus überregionalen Ruf, mit Rheinufer-Süd und Rhein-Galerie ist die Stadt an den Rhein gerückt, die Wohnsituation ist gut, die Stadt ist wirtschaftlich erfolgreich, ein Innovationsstandort und werde auch als Einkaufsort wahrgenommen.
Veränderung im innerstädtischen Einzelhandel
Im Blickpunkt der Diskussion stand die Position der Innenstadt, die durch die Zollhofhafenbebauung und dem 2008 gestarteten Stadtumbau einem weitreichenden Umstrukturierungsprozess unterliegt. Auf die Frage, wie sich dieser Prozess auf den Einzelhandel in der City auswirke, beschönigte der stellvertretende Vorsitzende des Marketingvereins nichts. Natürlich gebe es Leerstände in der City, vor allem in der Ludwigstraße, aber die gäbe es in Mannheim abseits der Planken auch, skizzierte Georg Amling die aktuelle Situation. Zugleich stellte er heraus, dass es in Ludwigshafen mehr inhabergeführte Geschäfte als in vielen Nachbarstädten gäbe. Seine Wahrnehmung sei es, dass aktuell nicht nur eine Veränderung bei innerstädtischen Geschäftslagen gibt, sondern sich auch die Angebotsnachfrage verändere. Der gehobene Fachhandel in der Ludwigstraße würde durch die Rhein-Galerie profitieren, jedoch müsse man als Händler auch darauf reagieren. In seinem Modehaus beispielsweise habe sich der Umsatz verschoben: Während er im Bereich „Junge Mode“ rund 40 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen musste, habe er im Exklusivbereich ein Umsatzplus von rund 250 Prozent erreicht. Die Konsequenz für ihn sei eindeutig: Im Herbst werde er das Angebot an hochwertiger Damenmode ausbauen und plane zudem ein zweites Geschäft mit Herrenmode in der Ludwigstraße zu eröffnen.
Diskussionsprozesse anstoßen
Lohse bejahte die Frage des Moderators, ob am Stadtimage gearbeitet werden müsse. Weidlich stimmte zu und erläuterte, dass ein Image die gesamte Wahrnehmung beeinflusse. Jedoch müsse der Inhalt eines Images stimmen und dürfe nicht an den Menschen in der Stadt vorbei entwickelt werden. Daher habe die Stadt bei der Bürgerumfrage bereits nachgefragt, wie sich die Stadt nach außen präsentieren solle. Bürgerinnen und Bürger sehen dabei Ludwigshafen eindeutig als Stadt am Rhein und als internationalen Chemiestandort. Der Zeitpunkt eine Imageentwicklung anzuschieben sei optimal, sind sich alle Podiumsteilnehmer sicher. Schließlich könne das, was beworben werden soll, mit Fakten bewiesen werden. Lohse sieht die Stadt daher am Beginn von bürgernahen Diskussionsprozessen. So sei es für sie denkbar, auch bereits gesetzte Entscheidungen neu zu überdenken - wie z.B. eine Öffnung der Bismarckstraße im Hinblick auf die Wünsche des Einzelhandels in Abstimmung mit den Bedürfnissen der Anwohner. Auch kommende große Herausforderungen wie die Sanierung der Hochstraße sollen bürgernah kommuniziert und städtebaulich gestaltet werden.
pdf-Download
- Auszug Bürgerumfrage 2011
(pdf-Dokument, 234 KB)


