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"Wir engagieren uns für unsere Stadt": Projekte einer nachhaltigen, sozialen und integrativen Stadtentwicklung

                15.04.10

Die Ludwigshafener Innenstadt verändert sich. Im Zuge des Stadtumbaus wird die Infrastruktur verbessert, Förderprogramme ermöglichen die Sanierung bestehender Häuser. Gleichzeitig rückt die Stadt an den Rhein. Eng verknüpft mit den baulichen sind soziale und soziokulturelle Projekte. Im Zuge einer nachhaltigen, sozialen und integrativen Stadtentwicklung sollen Bildung, das Zusammenleben aller Menschen im Stadtumbaugebiet und die Stärkung sozialer Kompetenzen gerade bei Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Deswegen wird die Stadtverwaltung in den kommenden vier Jahren sechs Handlungsfelder in dem vernetzten Projekt "Wir engagieren uns für unsere Stadt" aufgreifen, die an den konkreten Lebenslagen und Ressourcen der Menschen einsetzen und sie beteiligen. Gefördert werden die Maßnahmen aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des rheinland-pfälzischen Förderprogramms "Wachstum durch Innovation".


Im Rahmen eines Pressegespräches am 15. April 2010 stellten Jugenddezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg und Sozialdezernent Wolfgang van Vliet das Projekt als Beispiel für eine umfassende Kooperation zahlreicher Partner im Stadtumbaugebiet vor.


Soziale und kulturelle Aspekte in der Kinder- und Jugendbildung unterstützen Heranwachsende dabei, sich mit der eigenen und der Lebenssituation anderer in kreativer und kommunikativer Weise auseinanderzusetzen. Musik, Theater, Tanz, Literatur, Kunst und neue Medien erschließen jungen Menschen eigene Ausdrucksmöglichkeiten. Gleichzeitig können Kinder und Jugendliche ihr Lebensumfeld selbst mitgestalten, erfahren, dass sie Teil des Gemeinwesens Stadt sind und mit ihren Wünschen ernst genommen werden", so Jugenddezernentin Reifenberg. "Durch das Zusammenspiel von Einrichtungen der Jugendhilfe, von Schulen und Kultureinrichtungen in unserem vernetzten Stadtentwicklungsprojekt ‚Wir engagieren uns für unsere Stadt‘ verbessern wir konkret die Bildungs- und Ausbildungschancen junger Menschen und geben damit neue Lebensperspektiven. So schaffen wir auch ein Beispiel für eine zukunftsweisende gemeinsame Entwicklung kommunaler Erziehungs- und Bildungslandschaften zwischen Jugendhilfe, Kulturinstitutionen und Schule. Gemeinsam werden Angebote entwickelt, die die Anliegen aller beteiligten Institutionen berücksichtigen und eine positive Entwicklung junger Menschen im Focus haben", verwies Reifenberg auf ein zentrales Anliegen der Kinder- und Jugendpolitik.


"Ein weiterer Schwerpunkt in unserem gemeinsamen Projekt liegt auf der Gestaltung des Integrationsprozesses von und für Menschen mit Migrationshintergrund. Sie sollen ihre vielfältigen Fähigkeiten und Ressourcen einsetzen, um andere zu begleiten und zu unterstützen. Daraus soll ein Netzwerk entstehen, das dazu beiträgt, Ludwigshafen in seiner kulturellen Vielfalt zu stärken", erläuterte Sozial- und Integrationsdezernent Wolfgang van Vliet. Die Integrationsbeauftragte der Stadt Ludwigshafen am Rhein und der Internationale Frauentreff würden Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit bieten, sich als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner in der Integrationsarbeit zu engagieren. Dazu könnten Migrantinnen und Migranten ihre vielfältig vorhandenen Stärken einbringen. "Dabei denken wir beispielsweise an Unterstützung beim Behördengang, bei Schul- oder Erziehungsfragen und ähnliches. Wenn sich Menschen gegenseitig helfen, die gemeinsame Wurzeln und kulturelle Herkunft teilen, können auch Schranken zu unserer Gesellschaft abgebaut und gegenseitiges Verständnis geschaffen werden", so van Vliet.


"Wir engagieren uns für unsere Stadt" wurde gemeinsam entwickelt von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit und dem Kinder- und Jugendbüro, von der Erziehungsberatung, der Integrationsbeauftragten und dem Internationalen Frauentreff sowie dem Bereich Stadtentwicklung. Unterstützt wird das Projekt von Grundschulen und Kindertagesstätten im Stadtumbaugebiet, den Jugendfreizeitstätten der Stadt und der Freien Träger, von den Realschulen Plus, der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Kulturbüro und dem Kunstverein Ludwigshafen ebenso wie von Tänzern, Fotografen, Theaterpädagogen und Musikern.


Im Mittelpunkt des Projektes stehen unter anderem die Festigung von Kulturtechniken wie Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz am Über-gang von Kindertagesstätte und Grundschule. Gleichzeitig sollen die Chancen von Jugendlichen beim Übergang von Schule in den Beruf durch das Traning sozialer und kultureller Kompetenzen verbessert werden. Die enge Kooperation des Kulturbereichs mit den Kinder- und Jugendangeboten soll neue Impulse für die Entwicklung im Stadtum-baugebiet geben. Tragfähige Netzwerke der Familienselbsthilfe, insbe-sondere bei Migrantinnen und Migranten, sollen entstehen.


"Es ist uns gelungen, viele Akteure im sozialen und kulturellen Bereich des Stadtumbaugebietes für unsere Idee zu begeistern. Wir können dabei auf zahlreiche gemeinsame Projekte aus der Vergangenheit zu-rückgreifen. Damit knüpfen wir nun ein großes Netzwerk, das sich ge-meinsam für die Menschen in der Innenstadt einsetzt", erklärten Cornelia Reifenberg und Wolfgang van Vliet gemeinsam. Dadurch könne dem gesamten Stadtumbauprozess eine neue Dynamik gegeben werden. "Wir wollen diesen Prozess für und mit den Menschen gestalten", so die Beigeordneten.


Die einzelnen Projekte

Das Fotoprojekt verbindet die kreativen Kompetenzen und den Spaß am Fotografieren von Kindern, Jugendlichen und Eltern in ihrem Lebensumfeld mit einer bewussten Wahrnehmung der Veränderungen im Stadtumbaugebiet. Großformatige Präsentationen, Ausstellungen und die Produktion von Kalendern oder Postkarten erweitern die Erfahrungswelt um soziale, kulturelle, technische, künstlerische und mikro-ökonomische Erfahrungen. Das Projekt ist angegliedert an die Kindergalerie des Kinder-Eltern-Hauses und sucht die Kooperation mit Schulen im Programmgebiet. Geleitet wird das Projekt von dem renommierten Fotografen Thomas Brenner aus Kaiserslautern, der bereits im Rahmen des Ludwigshafener Kultursommers Projekte mit Jugendlichen realisiert hat.


"Lesen, Erzählen, Spielen" unterstützt den Weg der Festigung und Weiterentwicklung von Sprach-, Lese-, Wissens- und Kreativkompetenz nach dem Übergang von der Kindertagesstätte zur Grundschule. Vielfältige Erfahrungen innerhalb und außerhalb von Schulen zeigen, dass alternative Lernfelder in den Bereichen Tanz, Musik, Theater, darstellende Kunst, Film und Medien für viele Kinder und Jugendliche stimulierende Lernerfahrungen ermöglichen. Dazu gehört auch die Nutzung außerschulischer Lernorte. Das Projekt startet mit der Erich Kästner-Schule und dem Erich Kästner-Hort sowie der Brüder-Grimm-Schule. Eine Erweiterung der Standorte auf das gesamte Projektgebiet ist geplant.


Ein musikpädagogisches Projekt von Erich Kästner-Schule und Deutscher Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz läuft bereits an: Dabei gibt das KlangReich der Staatsphilharmonie einen Einblick in den kreativen Prozess und fordert dazu auf, selbst aktiv zu werden, beispielsweise durch den Bau von eigenen Instrumenten. Höhepunkt des Projekts soll ein eigens für die Schule komponiertes Musical mit Aufführung und Herausgabe einer CD werden.


Dazu kommen Projekte mit dem Haus der Naturpädagogik im Wildpark Ludwigshafen-Rheingönheim, der Erzählwerkstatt am Heinrich Pesch Haus sowie eine Kooperation mit dem Kunstverein Ludwigshafen und dessen pädagogischer Werkstatt "UnArtig". Koordiniert durch die Erziehungsberatungsstelle dienen die einzelnen Teilprojekte auch der nachhaltigen Verankerung der Impulse, die durch die von der BASF SE unterstützte "Offensive Bildung" in den Kindertagesstätten gegeben sind.


Künstlerische Ausdrucksfähigkeiten kombiniert mit der Stärkung der eigenen sozialen Kompetenzen: Diese Schwerpunkte stehen im Vordergrund des Theater- und Musical-Projektes für junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren unter professioneller Anleitung. Wer auf Theater, Tanz oder Gesang steht, beispielsweise eigene Raps schreibt, Beats produziert oder seinen ganz eigenen Performance-Stil entwickeln will, kann sich um eine Teilnahme bewerben. Zum Abschluss der einzelnen Projekte werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Können auf einer großen Bühne in Ludwigshafen präsentieren. Beginnen wird das Theater-Projekt mit der Umsetzung eines Musicals, das Casting dazu findet im Rahmen eines Wochenendworkshops am Sonntag, 18. April, ab 10 Uhr im Kulturzentrum "dasHaus" statt. Anmeldungen sind unter theaterprojektludwigshafende noch möglich. Leiter des Theaterprojektes ist André Uelner, der kürzlich in Ludwigshafen bei dem Theaterstück "Die Schneekönigin" im Rahmen von JobAct die Regie übernommen hatte.


Das Kinder- und Jugendbüro lädt Kinder zwischen acht und 13 Jahren zur Spielraumerforschung im Innenstadtbereich ein. Mädchen und Jungen sollen dabei als Stadtteilforscher ihren Lebensraum erkunden und Ideen zu einer kindgerechteren Nutzung einbringen. Insbesondere Kinder und Jugendliche brauchen für ihre positive Entwicklung ein Wohnumfeld, das sie dabei unterstützt, ihre Persönlichkeiten zu entfalten. Sie sollen an ihrem Wohnort sicher sein, ein "gutes Klima" vorfinden und sich dort wohl fühlen. Dazu brauchen Kinder und Jugendliche lebendige, persönliche Strukturen und Orte, wo sie gerne zum Spielen hingehen oder sich mit Freunden treffen können. Dies geschieht auf Spielplätzen, aber auch im öffentlichen Raum und auf öffentlichen Plätzen, die von Kindern und Jugendlichen ebenfalls als Spiel- und Aufenthaltsräume genutzt werden.


In der Initiative "Vielfalt der Kulturen" fördern die Integrationsbeauftragte und der Internationale Frauentreff Migrantinnen und Migranten, den Integrationsprozess in Ludwigshafen selbst zu gestalten. In diesem Projekt werden sie zu interkulturellen Mediatoren qualifiziert, die dann als "Brückenbauer" zwischen den verschiedenen Kulturen, Ämtern und sonstigen Institutionen wirken können. Durch Nutzung der eigenen Stärken und Ressourcen der Migrantenkulturen wird der Integrationsprozess nachhaltig gefördert.


Auch die Ausrichtung und Gestaltung des KinderspektakuLUms, das jährlich am Sonntag des Stadtfestes auf dem Berliner Platz und im Rheinuferpark angeboten wird, ist Teil des Projektes "Wir engagieren uns für unsere Stadt" und wird ab 2010 im Rahmen der EFRE-Projekte einbezogen, genutzt und gefördert.


Finanzierung

Gefördert werden die Maßnahmen aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des rheinland-pfälzischen Förderprogramms "Wachstum durch Innovation". Damit knüpfen die Europäische Union und das Land Rheinland-Pfalz an das 2006 ausgelaufene Förderprogramm URBAN II an. Insgesamt stellen die Europäische Union und das Land Rheinland-Pfalz in den Jahren bis 2015 für Investitions- und Baumaßnahmen sowie soziale und soziokulturelle Projekte im Rahmen des Stadtumbaus acht Millionen Euro bereit. Die Stadt Ludwigshafen am Rhein trägt einen Eigenanteil von zwei Millionen Euro, so dass insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Für die Maßnahmen aus dem Projekt "Wir engagieren uns für unsere Stadt" sind daraus insgesamt 700.000 Euro veranschlagt, die in den Jahren 2010 bis 2014 ausgegeben werden sollen.

 








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